Damals in Bethlehem

23. Dezember, 2008

Vor einigen Jahren, es müssen wohl so um die 2000 sein, saß ein junges Paar in einem Stall in Bethlehem. Der Tourismus war damals noch nicht sehr kommerziell und deshalb hatten die beiden kein Hotelzimmer mehr bekommen, als sie in die Stadt kamen um beim Event des Jahrhunderts, der Volkszählung, dabei zu sein. Jetzt saßen sie also in dem Stall. Wahrscheinlich roch es auch noch streng, Bequemlichkeit suchte man wohl vergebens und in dieser Umgebung brachte die junge Frau ein Kind zu Welt.

Ach, was hatte es im Vorraus schon Ärger gegeben. Joseph, der Mann, war nämlich mitnichten der Vater des Kindes. ER hatte bis zur Hochzeit warten wollen! Da war es ein ziemlicher Schock gewesen, als plötzlich bekannt wurde, dass seine Angebetete, Maria, schwanger war. Er hatte die Situation noch retten wollen, indem er die Verlobung löste und Maria die Möglichkeit gab den Vater des Kindes zu heiraten.  Aber daraus war nichts geworden, denn Joseph hatte diesen verrückten Traum gehabt.

Es war nicht direkt ein Albtraum gewesen, auch wenn er ganz schön Schiss gehabt hatte. Da war diese Gestalt gewesen. Nicht grade einfach zu beschreiben, auf jeden Fall von einer umwerfenden Ausstrahlung, mächtig, grauenhaft und doch wunderschön zu gleich. Dieses, nennen wir es Wesen, hatte ihm verklickert er habe gefälligst bei seiner Verlobten zu bleiben, denn diese sei keineswegs Fremd gegangen, sonden Gott höchstpersönlich sei Schuld an ihrem Zustand. Der Messias persönlich solle im Bauch seiner Zukünftigen heranwachsen. Auch die Frage nach dem Namen war von der Erscheinung gleich geklärt worden: Jeschua musste es sein, oder nach der neuesten römischen Mode: Jesus. Dann war er aufgewacht.

Hätte jemand anderes Joseph von einem solchen Traum erzählt, hätte er ihn wohl für verrückt erklärt, aber nun war er sich nicht sicher, ob es überhaupt ein Traum gewesen war oder nicht doch real. Er wusste nur: Er hatte sich tief erschüttert und vor Angst zitternd auf seinem Nachtlager wiedergefunden.

Gleich am nächsten Tag war er zu Maria gegangen und hatte die Hochzeit unter Dach und Fach gebracht. Die Schwangerschaft war ganz gut verlaufen und die beiden hatten sich ein gemütliches Heim eingerichtet, als dann der Erlass vom Kaiser gekommen war. Eine Volkszählung sollte es sein. Vermutlich um die Höhe der zu erwartenden Steuereinnahmen zu checken. Oder einfach nur um die Leute ein wenig zu scheuchen. Denn anstatt dass sich jeder einfach vor Ort registrieren lies, hatte sich der Kaiser sinnigerweise ausgedacht, dass man in die Heimatstadt der Familie gehen sollte. In Josephs Fall war das Bethlehem. Das hatte man also davon, wenn man sich dem verarmten Adel zurechnen konnte. Er selber war zwar nur ein kleiner Handwerker, aber er konnte immerhin von sich behaupten in direkter Linie von König David abzustammen. Hätte man auf die Tradition gepocht, hätte er sogar historisches Anrecht auf den Thron des Königs gehabt. Aber den hatte ja Herodes und er war, wie gesagt, nur ein kleiner Handwerker.

Dennoch. Er hatte eine hochschwangere Frau zuhause und die Aufgabe diese von Nazareth nach Bethlehem zu bringen. In möglichst kurzer Zeit. Also hatte er sich einen Esel geliehen, Maria drauf gesetzt, einige Vorräte eingepackt, und war losgezogen.

Tagelang waren sie gelaufen. Also er war gelaufen und Maria war geritten. Aber Hochschwangere waren auch nicht grade leicht zu ertragen, wenn man sie 5 Tage vor dem Geburtstermin auf ein Reittier setzte und quer durchs Land zog. Gefühlte hundert Ehestreits später waren sie zwar in Bethlehem angekommen aber hier eröffeneten sich neue Probleme. Er war wahrhaftig nicht er einzige, der seine Wurzeln in Bethlehem hatte. Jeder zweite aus dem Stamm Juda schien sich in der Stadt versammelt zu haben und weil Joseph mit Maria auf dem Esel nicht eben schnell voran gekommen war, waren sie spät dran. Im Klartext: Es gab keine Hotelzimmer mehr. Nicht mal die billigste und schmierigste Absteige hatte noch ein Zimmer frei. Irgendwann hatten sich Maria und Joseph ihrem Schicksal ergeben und waren in einem Stall untergekommen, denen ihnen ein Wirt gegen ein kleines Endgelt zur Verfügung stellte. Die Ochsen und den Esel konnte man sich ja weg denken und schon war das Stroh eigentlich eine recht komfortabele Angelegenheit, wenn man es mit Humor betrachtete. Maria allerdings hatte andere Gedanken im Kopf als Humor. Just in dieser Nacht platzte nämlich ihre Fruchtblase und das Kind machte sich auf den Weg.

Ja, sicher, sie hatte sich auf den Nachwuchs gefreut. Wer wurde schon aus unerfindlichen Gründen schwanger ohne jemals einem Mann zu nahe gekommen zu sein und gekam dann noch Besuch von einem Engel? Sicher, viele hatten ihr nicht geglaubt und sie ausgelacht, wenn sie vom Engel sprach, aber er war real gewesen, da war sie sich sicher. Deshalb hatte sie auch keine Zweifel gehabt, dass alles gut werden würde. Wunderbarerweise hatte Joseph sie trotzdem geheiratet und ihr die Geschichte vom Engel geglaubt. Sie war zuversichtlich gewesen, dass sie eine glückliche Familie werden würden. Und dann war die Nachricht über die Volkszählung gekommen und sie durfte hier in einem Stall das Kind zur Welt bringen, von dem ihr angekündigt worden war, es solle einmal der Sohn Gottes genannt werden. Toll. Ein Sohn Gottes, der in einem Stall zur Welt kam? Was auch immer, erstmal musste er geboren werden!

Einige Stunden später lag Maria vollkommen erschöpft im Stroh.  Die Geburt war anstrengend gewesen. Auch Joseph war erschöpft. Die eigene Frau unter Schmerzen zu sehen war nicht grade toll. Doch jetzt betrachtete er seinen winzigen Adoptivsohn dann doch voller Stolz und wickelte ihn vorsichtig in einige Tücher, bevor er die Futterkrippe der Tiere zweckentfremdete und das Kind hinein legte.

Maria und Joseph schliefen in dieser Nacht nicht. Sie betrachteten das Kind, zählten sie Finger und Zehen, wie jedes Elternpaar. Später kamen noch einige Hirten vorbei. Sie waren aufgeregt und plapperten etwas von einem Licht auf dem Feld und das sie hier den Erlöser vor sich hatten. Maria war bewegt, denn sie hatte wieder die Gewissheit, dass ihr Kind etwas besonderes war. Auch wenn es hier nur in einer Krippe lag und sich die Kehle aus dem Leib schrie. Sie hatte die Ehre gehabt einen besonderen Menschen auf die Welt zu bringen. Den Menschen. Sie schwor sich gut auf ihn Acht zu geben, bevor sie sich müde an Joseph lehnte, ein wenig döste und sich erholte.

 

by: DasMaja, 2008

Eine Antwort zu „Damals in Bethlehem“

  1. u2fan Sagt:

    hi maja, nochmals schoene weihnachten und friedliche.

    gruss
    matthias1975


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